Freitag, 29. Juni 2012

Könnte man Sonnenprotuberanzen auch ohne H-Alpha-Filter sehen?

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Im Gegensatz zur sogenannten Photosphäre, der eigentlichen gleißend hellen Sonnenscheibe kann man Protuberanzen ohne H-Alpha-Filter normalerweise nicht sehen, da sie etwa 100000 mal lichtschwächer sind, als die Sonnenoberfläche selbst.
Vorsicht bei Sonnenbeobachtungen! Niemals mit optischen Geräten ohne Schutzfilter direkt in die Sonne schauen, auch nicht mit bloßem Auge! Irreparable Augenschäden bis hin zur Erblindung wären die Folge! Stets ausreichend starke spezielle Sonnenfilter verwenden und die gehören grundsätzlich VOR das Fernrohrobjektiv, keine Okularfilter, die können durch Überhitzung im Teleskopfokus platzen! Steht kein Sonnenfilter zur Verfügung, hilft nur die Methode der Projektion des Sonnenbildes auf eine weiße Fläche, etwa ein weißes Stück Pappe. Das ist auch die sicherste Methode, die zudem den Vorteil hat, das mehrere Personen gleichzeitig das Bild der Sonne betrachten können wie auf einer Kinoleinwand. Dabei ist darauf zu achten, dass das Okular so angebracht wird, dass niemand versehentlich hineinschauen kann, am besten benutzt man ein sogenanntes Zenitprisma, das mit dem Okular nach unten vom Beobachter weg auf die weiße Projektionsfläche gerichtet ist.
Doch es gibt eine, wenn auch äußerst seltene Gelegenheit, die Protuberanzen ohne H-Alpha-Filter sehen zu können, nämlich während einer nur wenige Minuten dauernden totalen Sonnenfinsternis, bei der der Neumond die Sonne komplett verdeckt. 
Da der Mond uns aufgrund einer besonderen Laune der Natur nahezu genauso groß erscheint, wie die helle Sonnenscheibe, kann er diese im günstigsten Fall noch so gerade eben komplett abdecken, während die äußeren Bereiche der Sonne, in denen sich auch die Protuberanzen befinden, unverdeckt bleiben. In diesem Zustand, und nur in diesem kann die gleißend helle Photosphäre die Protuberanzen nicht mehr überstrahlen, so dass sie, wie übrigens auch die silbrigweiße Sonnenkorona, sichtbar werden. Normale Weißlicht-Sonnenfilter, wie auch die Projektionsmethode eignen sich nicht zur Beobachtung der Protuberanzen, da Weißlichtfilter das gesamte Sonnenlicht um den Faktor 1 zu 100000 schwächen, das gilt auch für das projezierte Sonnenbild, das ohnehin schon 100000 mal schwächere Licht der Protuberanzen wird also um den Faktor 100000 mal 100000, das entspricht dem Faktor 100 Millionen, geschwächt. Das ist genauso, als wolle man ein sonnenbeschienenes weißes Blatt Papier oder die Landschaft durch einen Sonnenfilter betrachten. Jeder, der schon einmal durch eine Sonnenfinsternisbrille hindurchgesehen hat, weiß, dass man dann, außer der Sonnenscheibe selbst, von der Umgebung nichts sieht.
Beim H-Alpha-Filter hingegen macht man sich eine besondere Eigenschaft der Protuberanzen zunutze. Sie bestehen aus ionisiertem Wasserstoffgas und leuchten im Gegensatz zur Photosphäre nur in einem sehr engen Spektralbereich, am intensivsten in der sogenannten roten H-Alpha-Linie von 256,28 Nanometer. Und diese Spektrallinie kann man mit sogenannten Interferenzfiltern aus dem gesamten Spektrum herausschneiden, während alle anderen Wellenlängen absorbiert werden. Man kann sich das so vorstellen, wie ein Funkempfänger, der auf eine bestimmte Funkfrequenz eingestellt ist. Genau dasselbe macht man mit einem H-Alpha-Filter, nur eben im optischen Bereich. Nur so ist es möglich, die Protuberanzen kontinuierlich zu beobachten, ohne auf totale Sonnenfinsternisse warten zu müssen.
 glausen

 Die Sonne im Licht der H-Alpha-Linie, mit drei großen Protuberanzen

Nur während einer totalen Sonnenfinsternis sind die Protuberanzen auch ohne H-Alpha-Filter zu sehen



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