Freitag, 29. Juni 2012

Bemannte Reise zum Mars - Utopie oder bald Wirklichkeit?

Der Mars stand schon immer im Mittelpunkt des Interesses und hat die Phantasie der Menschen beflügelt, was sich in zahllosen Sience-Fiction Romanen und -filmen widerspiegelt.1938 löste das realistisch wirkende Hörspiel "Krieg der Welten" vom Regisseur Orson Welles sogar eine Massenpanik aus, weil die Leute dachten, die Invasion von angeblichen Marsbewohnern, um die es im Hörspiel ging, sei Wirklichkeit, zumal damals viele noch an intelligente Bewohner auf dem Mars und anderen Nachbarplaneten glaubten.
Doch auch die Wissenschaft hat sich schon immer besonders intensiv mit dem Mars beschäftigt, da seine Oberfläche von der Erde aus mit Teleskopen leicht einsehbar ist und er der Erde am ähnlichsten ist, zudem ist er der Planet, der neben der Venus der Erde am nächsten kommen kann, ca. 54 Millionen km im günstigsten Fall. Schon 1659 entdeckte Christiaan Huygens eine dunkle dreieckige Zone auf dem Mars, 1877 glaubte der Italiener Giovanni Schiaparelli, dunkle Linien auf der Marsoberfläche zu sehen, welche er "Canali", italienisch für Gräben nannte. Das wurde dann propt von der Öffentlichkeit als Kanäle und damit als Werk intelligenter Bewohner interpretiert. Ende der 1957er Jahre begann das Zeitalter der Raumfahrt,  unbemannte Marsflüge seit Oktober 1960, denn schon in diesem Jahre, nur drei Jahre nach dem ersten erfolgreichen Start ihres ersten Erdsatelliten Sputnik 1 versuchten die Russen, die ersten Sonden zum Mars zu schicken, was aber erst im Jahre 1965 den Amerikanern gelang (Mariner4). Die Sonde lieferten die ersten Nahaufnahmen, die eine eher mondähnliche Landschaft mit vielen Kratern zeigten, aber offenbar weder Wasser, noch Hinweise auf Leben. 1971 landete die erste sowjetische Sonde Mars3 weich auf dem Mars, lieferte jedoch keine Bilder, da der Funkkontakt 20 Sekunden nach der Landung abbrach. Das gelang erst 1976 den amerikanischen Sonden Viking 1 und 2, die hervorragende Farbaufnahmen von der Marslandschaft zeigten. Zu sehen war eine äußerst steinige trockene Wüstenlandschaft und ein ocker- bis rosafarbener Himmel. Hinweise auf Leben zeigte sich hier aber auch nicht. Mittlerweile sind bis heute über 40 Missionen zum Mars geschickt worden, so viele, wie zu keinem anderen Planeten unseres Sonnensystems. Einige Missionen der letzten Jahre waren überaus erfolgreich, man denke nur an die Sonde Pathfinder mit dem Rover Sojourner 1997, die beiden Marsrover Spirit und Opportunity 2005, oder den Phoenix Marslander 2008, die die Erwartungen der Wissenschaftler weit übertroffen haben. Spirit und Opportunity waren nur für 3 Monate Funktionszeit ausgelegt und funktionierten über 5 Jahre, sie senden vermutlich noch heute Daten zur Erde, auch wenn sie inzwischen massive Verschleißerscheinungen zeigen. Etliche Sonden erkundeten den roten Planeten aus einer Umlaufbahn, z.B Mars Global Soveryour und Mars Express.
Eine weitere Mission, Mars Sience Laboratory ist seit November 2011 auf dem Weg zum Mars und wird voraussichtlich im August 2012 landen und ebenfalls einen Rover absetzen. Auch für 2013 und 2018 sind weitere Missionen geplant. Auch über eine bemannte Marsmission wird viel diskutiert, ist aber zumindest auf absehbare zeit nicht geplant. Rein theoretisch wäre eine bemannter Flug zum Mars durchaus möglich, aber mit erheblich mehr Aufwand und Kosten verbunden, als unbemannte Missionen, mal ganz abgesehen von den Gefahren für die Besatzung. Das fängt schon mit dem immens langen Zeitraum an, über den sich eine solche Reise erstrecken würde, nämlich über zwei Jahre bis zur Rückkehr auf die Erde, da Hin- und Rückflug nur zu bestimmten Zeiten möglich sind, nämlich dann, wenn Erde und Mars dafür in günstiger Position zueinander stehen. Man hat zwar auf den Raumstationen Mir und ISS Erfahrungen mit Langzeitaufenthalten im Weltraum gemacht, aber die Astronauten befanden sich immer im Erdorbit, von dort aus hätten sie im Notfall innerhalb weniger Stunden zur Erde zurückkehren können. Auf einem Flug zum Mars ist das hingegen nicht möglich und der kleinste Zwischenfall würde den Tod der Besatzung bedeuten. Mal ganz abgesehen von den sich daraus ergebenden psychischen und physischen Problemen. Alle langfristig ausgearbeiteten Programme, Europa hat das Jahr 2033 im Visier (Projekt Aurora), dürften daher wohl eher Visionen sein. Man sollte ohnehin zuerst einmal Geld dafür einsetzten, die Probleme auf unserer guten alten Erde zu lösen.
glausen

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