Dienstag, 12. Juni 2012

Tips für Hobbyastronomen - worauf man beim Teleskopkauf achten sollte.

Oft sind es aktuelle historische oder seltene Ereignisse, die einen dazu bringen, Amateurastronom zu werden. Bei mir war es die erste Mondlandung im Jahr 1969, als ich gerade einmal zehn Jahre alst war. Bei anderen war es vielleicht 1997 der sehr helle und auffällige Komet Hale-Bopp, oder 1999 die totale Sonnenfinsternis über Süddeutschland und Österreich.Vielleicht hat auch der kürzlich stattgefundene extrem seltene Venusdurchgang vor der Sonne wieder den einen oder anderen dazu bewegen können, sich mit Astronomie zu befassen.
Obwohl man heute schon viele interessanten Bilder und Informationen im Internet abrufen kann, die direkte Beobachtung am eigenen Teleskop, sei es nun Mond, Planeten oder ein seltenes Himmelereignis, kann kein Computerbildschirm ersetzen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Welche Art von optischen Geräten man benötigt hängt erst einmal davon ab, ob man Einsteiger ist, oder sein Instrumentarium erweitern möchte und was man genau beobachten möchte. Für eine Mondfinsternis reicht schon ein Feldstecher. Will man Planeten beobachten, braucht man schon ein leistungsfähigeres Gerät. Wichtig für die Leistung ist nicht, wie man meinen könnte, die Vergrößerung, sondern die Öffnung. Je größer die ist, desto mehr Licht fällt nämlich hinein. Bei zu kleine Öffnung nützt nämlich eine zu starke Vergrößerung gar nichts, das Objekt erscheint dann zu dunkel und aufgrund der durch die kleine Öffnung entstehenden Lichtbeugung auch noch unscharf. Aus dem gleichen Grunde sollte man auch bei Teleskopen mit großer Öffnung die Vergrößerung nicht zu stark wählen - soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Bei Planeten wird man mehr Vergrößerung brauchen, als bei Sternhaufen, Nebeln und Kometen, hierfür sollte man die Vergrößerung möglichst gering wählen, umso heller erscheint das Objekt. Man unterscheidet zwei Arten von Teleskopen: Linsenfernrohre und Spiegelfernrohre. Spiegelfernrohre haben den Vorteil, dass sie aufgrund des durch die Spiegelung gefalteten Lichtstrahls kürzer sein können und durch die Reflexion kein Lichtverlust entsteht.Für bestimmte Beobachtungen können jedoch nur Linsenfernrohre benutzt werden, z. B. bei der Sonnenbeobachtung mittels Projektionsmethode, wenn kein Sonnenfilter zur Verfügung steht, bei dieser wird das Bild der Sonne durch das Teleskop samt Okular auf eine weiße Fläche projeziert, da eine direkte Beobachtung der Sonne ohne spezielle Objektivfilter zur sofortigen Erblindung führen würde. Bei Spiegelteleskopen ist eine Sonnenprojektion nicht möglich, da aufgrund des gebündelten Sonnenlichtes der Fangspiegel im Innern des Spiegelteleskopes durch Hitzeeinwirkung zerstört würde. Braucht man dagegen sehr große Teleskopdurchmesser, weil sehr lichtschwache Objekte beobachtet werden sollen, so sind Spiegelteleskope von Vorteil, da bei der Reflexion am Spiegel kein Lichtverlust entsteht, während eine Linse immer etwas Licht verschluckt. Übersteigt ihr Durchmesser ein bestimmtes Maß, kommt es aufgrund ihres Eigengewichtes zudem zu Verformungen, was beim Spiegel nicht der Fall ist, da er mit der gesamten Fläche aufliegt. Für Einsteiger werden erst einmal einfachere, leicht zu handhabende Instrumente genügen. Ich empfehle entweder ein Linsenfernrohr von 6cm Öffnung mit drei verschiedenen Okularen und einen Sonnenprojektionsschirm.
Hände weg von sogenannten Okularsonnenfiltern! Die können durch die Hitzeeinwirkung des gebündelten Sonnenlichtes platzen. Sofortige Erblindung wäre die Folge! Sonnenfilter gehören grundsätzlich auf das Fernrohrobjektiv! 
Oder ein kleines Reise- Spiegelteleskop, z.B. das Celestron 90 mit 9 cm Öffnung, das auf jedes Fotostativ geschraubt werden kann und mit einem Zenitprisma und verschiedenen Okularen ausgestattet ist, mit passenden Adapterringen lässt sich auch eine Spiegelreflexkamera anbringen. Für das C90 gibt es auch passende Sonnenfilter zu kaufen, Sonnenprojektion nicht möglich, da Fangspiegel zerstört würde.
Für den Einstieg in die H-Alpha-Sonnenbeobachtung gibt es seit dem Jahre 2004 das Personal Solar Teleskope von Coronado, das mit ca. 600-700 € durchaus erschwinglich ist. Es enthält neben Infrarot- und Ultraviolett-Sperrfiltern einen justierbaren H-Alpha Haupt- sowie einen Blockfilter, die beide nur die H-Alpha- Spektrallinie mit einer Halbwertbreite von < 0,9 Angström passieren lassen. Das ermöglicht die Beobachtung von Sonnenprotuberanzen und auch schon vieler Oberflächendetails wie Flares, Filamenten und der Granulation der Chromosshäre der Sonne. Auch das Coronado-PST hat ein Schraubgewinde für Fotostative. Bevor das Coronado-PST auf den Markt kam, kosteten H-Alpha Beobachtungsgeräte von gleicher Qualität wie das PST ab 2000 € aufwärts. 
Die beiden letztbeschriebenen Instrumente haben zudem den Vorteil, dass sie so klein sind, dass sie ins Kabinengepäck bei Flugreisen passen, ideal für Hobbyastronomen, die viel auf Reisen sind, und das sind viele, denn wer beispielsweise eine totale Sonnenfinsternis einmal live erleben möchte, kommt um eine Fernreise nicht herum. Und da astronomische Instrumente äußerst wertvoll sind, gehören die wirklich nicht auf das Laufband eine Flughafens, es wäre äußerst ärgerlich, wenn die verloren gingen, oder beschädigt würden, denn die Ersatzleistungen der Fluggesellschaften bei Verlust oder Beschädigung richten sich nach dem Gewicht und nicht nach dem tatsächlichen Wert des Gepäckinhalts. Bei der Sicherheitskontrolle meines Handgepäcks mit den beiden Teleskopen gab es bisher jedenfalls nie Probleme.
Grundsätzlich sollte man nicht irgendein billiges Kaufhausteleskop kaufen, denn da ist leider oft viel Schrott im Handel. Am besten geht man zu einem Fachhändler oder informiert sich im Internet. 

Gernot Lausen

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